In der Stille vor dir öffnet sich ein lebendiger Schlauch, kaum breiter als ein menschliches Haar siebzigfach gespalten, dessen sanft geschwungene Wände aus hauchflachen Endopinakozyten bestehen — so glatt gepresst gegen das darunterliegende Mesohyl, dass ihre Oberfläche wie polierte Perlmutter schimmert, nur die sanft gewölbten Zellkerne heben sich als gerundete Hügel in der blassrosa Membranlandschaft ab. Das Wasser kriecht in einem trägen, laminaren Stokes-Strömungsregime vorwärts, in dem Trägheit keine Rolle spielt und Viskosität alles regiert — zwei stäbchenförmige Bakterien gleiten wie winzige Mahagonizylinder an dir vorbei, leicht rotierend im Scherbereich nahe der Wand, ein drittes wird vom Brownschen Rauschen aus seiner Bahn getrieben, bevor die Strömung es wieder einholt. Am unteren Wandabschnitt schiebt sich ein Archäozyt mühsam zwischen Zellnaht und eingebetteter Kalknadel hindurch, sein Zytoplasma quillt und zieht sich zurück wie warmes Wachs, während der gläserne Spikel einen hauchzarten Prismaschimmer auf die benachbarte Zelloberfläche wirft. Vierzig Kanaldurchmesser entfernt leuchtet die Prosopyle — eine fünf Mikrometer breite, von zwei sich berührenden Pinakozyten gesäumte Öffnung — wie ein goldenes Portal, durch das der honigwarme Schein der dahinter pulsierenden Choanozyten-Kammer fällt, ein System, das in nahezu unveränderter Form seit sechshundert Millionen Jahren den Ozean durch lebendes Gewebe siebt.
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