Gemmul-Panzer Querschnitt
Choanoflagellates & sponges

Gemmul-Panzer Querschnitt

Der Blick fällt auf einen Querschnitt durch eine Süßwasserschwamm-Gemmula – eine Überdauerungsstruktur, die das Tier durch Frost und Trockenheit trägt –, deren dreischichtige Panzerung sich wie das Innere einer aufgesägten Festung entfaltet: außen eine schimmernde Membran aus gespanntem Amber, dahinter eine Palisade aufrecht stehender Amphidisc-Spicula, jede ein hantelförmiges Gebilde aus biogenem Siliziumdioxid, dessen tellerförmige Enden ineinandergreifen wie die Zinken einer miniaturisierten Umzäunung, eingebettet in blasscremeweißes Spongin-Zement. Diese Spicula wachsen nicht aus technologischen Prozessen, sondern werden durch spezialisierte Zellen – Sclerocyten – Atom für Atom in Spongin-Protein gefasst, ihre kristalline Symmetrie ein Produkt molekularer Selbstorganisation bei Körpertemperatur. Dahinter öffnet sich das Innere der Gemmula wie ein von sich selbst erleuchteter Raum: dicht gepackte Archaeocyten, Stammzellen des Schwammes, deren Cytoplasma mit Lipidtröpfchen in tiefem Safrangelb und Kadmiumorange vollgesogen ist – chemische Energiereserven, versiegelt gegen die Außenwelt, bis Temperatur und Photoperiode Keimung signalisieren. Rechts durchsticht ein Micropyle-Kanal die gesamte Panzerung, aktuell von einer Zellsäule verschlossen wie ein Korken in einer Flasche; jenseits der äußeren Membran liegt das Sedimentwasser – trüb, olivgrau, kalt –, und der Kontrast zwischen dieser Stille und dem warmen Bernsteinglühen des Innern gibt dem Ganzen das Gewicht einer im Winter aufgebrochenen Geode.

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