In diesem Augenblick bist du vollständig von einem dunkelblauen Nichts umhüllt, das sich weniger wie Wasser als wie eine dritte Form von Materie anfühlt — ein zähflüssiges Medium, in dem thermisches Rauschen die einzige Bewegung ist und Schwerkraft keine Rolle spielt. Vor dir beherrscht eine einzige Choanoflagelatenzelle das Bild: ihr Geißel, zwanzig Mikrometer lang und kaum dicker als ein Spinnenfaden, schwingt in einer eingefrorenen helikalen S-Kurve über dein gesamtes Sichtfeld, während ein silbrig-transparenter Nachklang im dunklen Medium den vorherigen Herzschlag des Flagellums nachzeichnet — das Ergebnis einer sinusförmigen Welle, die diese Zelle mit dreißig bis sechzig Schlägen pro Sekunde antreibt und dabei einen Mikrowirbel erzeugt, der Bakterien wie in einem molekularen Netz durch den Kragen aus fünfunddreißig Mikrovilli zieht. Der Kragen selbst ist kaum als feste Struktur wahrnehmbar — jeder Mikrovillus liegt unterhalb der Wellenlänge des sichtbaren Lichts und manifestiert sich nur als irisierender Interferenzschimmer, eine schwebende Krone aus Gold und kaltem Aquamarin über dem Zellkörper, dessen durchsichtiges Zytoplasma einen blass leuchtenden Zellkern und zwei dunkle Nahrungsvakuolen birgt, in denen die Silhouette halbverdauter Bakterien noch zu erahnen ist. Im Hintergrund treiben ein Dutzend Stäbchenbakterien im Brownischen Zittern des Mediums — manche scharf konturiert, andere bereits zu blassen Schimmern in der blauen Tiefe verschwommen, denn jenseits weniger Zellbreiten verschluckt die absolute Dunkelheit jeden Horizont.