Goldenes Symbionten-Wolkeninnere
Radiolarians

Goldenes Symbionten-Wolkeninnere

Im Inneren der Calymma einer kolonialen Collodarie bist du von einem lebenden Gel umschlossen, das warm und vollständig um dich herum drückt wie amber Honig – weder flüssig noch fest, sondern in einem Zustand zitternder Schwebe zwischen beiden. In alle Richtungen hängen Zooxanthellen frei im Raum: goldbraune Kugeln von zehn bis fünfzehn Mikrometern Durchmesser, so zahlreich, dass sie das Sichtfeld füllen ohne sich zu berühren, jede mit einem sichtbaren, halbmondförmigen Kern aus dichterem Ocker-Braun, der sich wie eine Mondsichel durch das Zellinnere zieht – Dinoflagellaten-Symbionten, die dem Wirt über Photosynthese Kohlenhydrate liefern und dafür Nährstoffe und Schutz erhalten. Die Lipidvakuolen des Ektoplasmas, bis zu vierzig Mikrometer groß, lenken das von oben einfallende blaue Ozeanmeerlicht in warmes Bernstein um und beugen es zu goldenen Kaustikringen, die sich hinter jedem klaren Tropfen auf die nächste Schicht Symbionten legen. Das gesamte Innere wirkt wie ein biologischer Hohlraum mit Domgeometrie, abgedichtet nach innen durch die schwach sichtbare Wölbung der Zentralkapsel – einer glykoproteinreichen Membran, die das dichte Endoplasma von der transparenten Welt der Symbionten trennt und die fundamentale Zweiteilung des Radiolarienkörpers markiert.

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