Du schwebt im Inneren eines grünen Kathedralen-Tunnels — dem Aerenchym-Luftkanal eines Seerosen-Blattstiels, dessen Wandung aus dicht verschränkten, chloroplastengefüllten Parenchymzellen ein smaragdgrünes Mosaik aus sechseckigen Kammern bildet, jede einzelne rund 200 Mikrometer breit, ihre gemeinsamen Zellwände hauchdünn und bernsteinfarben verstärkt an den Kanten. Direkt vor dir schwebt ein Diaphragma wie eine leuchtende Spitzenscheibe quer über den gesamten Kanalquerschnitt: sternförmig angeordnete, armähnliche Zellen strahlen von einem Zentrum aus nach außen, ihre abgerundeten Spitzen reichen fast — aber nicht ganz — bis zur Kanalwand und lassen polygonale Lücken offen, weit genug, um hindurchzugleiten. Das von hinten einfallende Licht, gestreutes Chlorophyll-Eigenleuchtend oder feuchtigkeitsdiffuses Tageslicht, verwandelt das Diaphragma in ein glühendes, goldgrün gesäumtes Silhouetten-Geflecht von betörender Feinheit. Dünne irisisierende Wasserfilme spannen sich über manche der offenen Polygone und werfen zitternde Regenbogenreflexe — Violett und Kupfer — auf die grünen Zellwände rundum. Tief in beide Richtungen löst sich der Kanal im organischen Dunst auf, seine Wände verblassend von Smaragd zu einem fernen Blaugrün, als blickte man durch feuchten Nebel in ein unendliches, lebendes Rohr.
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