Vor dir hängt eine lebende Kette aus *Thalia democratica* im offenen Blau, jedes Einzeltier ein gläsernes Fässchen von der Größe einer großen Weintraube, durch dessen wasserhelle Wand du die gesamte innere Architektur auflösen kannst: acht geisterhafte Muskelreifen, ein aufgerollter bernsteinfarbener Darm, der das Licht eines Morgens voller Phytoplankton-Filterung in sich trägt, rosafarbene Gonaden wie winzige Rosenquarztropfen und ein kirschrotes Herz, das sichtbar pulsiert. Das Gewebe dieser Tunikaten besitzt einen Brechungsindex, der kaum von jenem des umgebenden Meerwassers abweicht – die Körper sind buchstäblich aus dem Ozean selbst gemacht, zu neunzig bis siebundneunzig Prozent Wasser, und ihre Sichtbarkeit verdankt sich einzig den pigmentierten Organen und dem Spiel der Sonnenkaustics, die von fünfzehn Metern Wassersäule in geometrische, blau-weiße Netzwerke umgeformt werden und unablässig über die Gallertoberflächen wandern. Jede Verbindung zwischen den Einzeltieren besteht aus stolonischem Gewebe, kaum dicker als ein Spinnenfaden, und doch bildet diese gesamte Struktur eine kollektive Superorganismus-Einheit, die im oligotrophen Freiwasser Picoplankton-Zellen von weniger als zwei Mikrometern Durchmesser filtert – Organismen, die den meisten anderen Zooplanktern schlicht entgehen. Im absolut gesättigten Kobaltblau ohne Boden, ohne Substrat, ohne jede Grenze fühlt sich diese Glaskette wie die einzige Ordnung in einem ansonsten vollkommenen Nichts an.
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