Mundrinne Spiralschlund
Protists & protozoa

Mundrinne Spiralschlund

Du schwebst am Rand eines gewaltigen Spiralcanyons — die Mundrinne eines *Paramecium caudatum* —, dessen gläsern-transparente Wände sich in einem weiten Bogen wie das Innere eines lebenden Amphitheaters um dich wölben, im Phasenkontrastlicht in stechendem Silberweiß gegen den kohleschwarzen Hintergrund leuchtend. Tausende von Zilienorganellen — dichtgedrängte Membranellen und Cirri — schlagen in donnernden, synchronisierten metachronen Wellen, die wie langsam rollende Brecher eine nach der anderen die Canyonwände hinabgleiten und einen kontinuierlichen Sogstrudel erzeugen, der stabförmige Bakterien in goldweißem Lichtreflex spiralförmig in die Tiefe zieht, hinein in die pulsierend-schwarze Öffnung des Cytostoms. Die Pellicle unter deinen Füßen — eine fein längsgestreifte, metallisch schimmernde Membran, verstärkt durch Proteinkämme im Ektoplasma — gibt dem gesamten Organismus seine halbstarre Form, während hinter der gewölbten Zellwand der Makronukleus in warmem Bernsteinton leuchtet, eine nierenförmige Masse, die im diffusen Granularlicht des Endoplasmas wie ein Himmelskörper durch Milchglas scheint. Tiefer im Zellinneren treiben dunkle Nahrungsvakuolen wie Gewitterwolken — jede eine versiegelte Verdauungssphäre auf einem anderen enzymatischen Zeitplan —, während du spürst, wie das gesamte Medium um dich, zäh wie Honig und durchdrungen von Brownscher Bewegung, nicht von Schall, sondern allein von Druck, Chemie und dem rastlosen mechanischen Takt zehntausend schlagender Zilien geformt wird.

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