Grüner Ostreococcus-Nebel
Phytoplankton & coccolithophores

Grüner Ostreococcus-Nebel

Der Betrachter ist vollständig eingetaucht in eine so dicht besiedelte Suspension aus *Ostreococcus tauri*-Zellen, dass das Wasser selbst zur lebendigen Substanz wird – ein jadegrüner Nebel ohne Horizont, ohne Boden, ohne Decke, der sich in jede Richtung ins Unendliche erstreckt. *Ostreococcus tauri* ist der kleinste bekannte freilebende eukaryotische Organismus überhaupt, mit einem Zelldurchmesser von nur 0,8 Mikrometern, der damit an die Wellenlänge des sichtbaren Lichts selbst heranreicht und die Grenze zwischen Teilchen und Welle verwischt. Jede dieser kugelförmigen Zellen trägt einen einzigen riesigen Chloroplasten, der den Zellkörper nahezu vollständig ausfüllt – ein dunkles Jadegrün, das bei Anregung in tiefes Chlorophyll-Rot aufleuchtet und das umgebende Medium kollektiv färbt, als würde man Seeglas gegen das Licht eines Wintertages halten. Die Brownschen Bewegungen sind absolut und allgegenwärtig: Kein Zelle steht still, das gesamte Feld atmet in einem probabilistischen Rhythmus thermischer Strömungen, und Tiefe löst sich nicht als Distanz auf, sondern als Farbsättigung – nahe Zellen als leuchtende Laternen, entfernte bereits als Geister, die in der kollektiven Glut des Nebels verschwimmen. In dieser Suspension, so dicht, dass die mittlere freie Weglänge der Photonen kürzer ist als der Abstand zwischen benachbarten Zellen, wird der Organismus ununterscheidbar vom Medium: Der Nebel *ist* das Leben.

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