Grüner Dschungel des Polytrichum
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Grüner Dschungel des Polytrichum

Im Winkel zwischen zwei eng beieinanderstehenden Polytrichum-Stängeln drängen sich blasse, cremeweiße Springschwänze zusammen, ihre Körper kaum so lang wie eine einzige der rechteckigen Zellen in den darüber aufgespannten Phylliden, die wie buntglasgefärbte Fenster eines versunkenen Doms das diffuse Licht in gleichzeitig grüne, olivbraune und bernsteinfarbene Ebenen zerlegen. Jedes Phyllid ist so einzellschichtig dünn, dass die Chloroplasten in ihren Zellen direkt durchleuchtet werden und ein architektonisches Gitter aus leuchtend gelbgrünen Kammern über der Szene schweben, während wo mehrere Blattlagen übereinanderliegen die Helligkeit schrittweise in ein warmes Braundunkel versinkt, das nur von einem einzigen Lichtschacht durchbrochen wird, der durch eine Lücke im Blätterdach einfällt. Im tiefsten Spalt des Stängelwinkels liegt ein Gelege von einem Dutzend Eiern — jedes kaum achtzig Mikrometer im Durchmesser, opaleszent und mondsteinartig schimmernd —, zusammengehalten von einer klebrigen Sekretschicht gegen die kapillaren Zugkräfte des Wasserfilms, der jeden Untergrund als dünner, leicht reflektierender Meniskus überzieht. Die Folsomia-Springschwänze selbst tragen eine fein granulierte, hydrophobe Kutikula, die Wassertropfen um ihre Beine herum zu glänzenden Kugeln formt, ohne sie zu benetzen — eine Nanoarchitektur, die in einer Welt entscheidend ist, in der Oberflächenspannung und Kapillarkräfte die Schwerkraft als dominierende physikalische Größe ablösen.

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