TiefseeSchlamm, Rhabdammina Röhren
Foraminifera

TiefseeSchlamm, Rhabdammina Röhren

Der Blick fällt auf eine weite Ebene aus dunkelbraungrauem Schlick, dessen samtartige, fast pudrige Oberfläche von einem kalten, gerichtungslosen weißen Licht in scharfes Relief getaucht wird – jedes einzelne Siltkörnchen und jede halb versunkene Foraminiferenschale wirft einen kleinen Schatten, die bleichen, milchig glänzenden Kalzitkuppeln ragen wie gestürzte Grabsteine aus dem Sediment. Quer über diese Fläche erstreckt sich das verzweigte Röhrennetzwerk von *Rhabdammina abyssorum*, einem agglutinierten Foraminiferen, das seine Kammern nicht aus eigenem Kalzit baut, sondern aus aufgelesenen Sedimentkörnern und dunklem organischem Zement – jede Röhre rund 200 Mikrometer breit, leicht gebogen, von ockerfarbener und warmgrauer Körnigkeit, sodass das gesamte Geflecht wie ein versteinertes Korallenskelett oder ein flach auf den Meeresgrund gesunkenes Wintergeäst wirkt. Auf den rauen Röhrenoberflächen haben sich juvenile Foraminiferen angesiedelt, deren trochospirale Miniaturgehäuse im kalten Licht wie verstreute Kreidestückchen leuchten und damit belegen, dass dieser scheinbar tote Untergrund lebendiger Siedlungsraum ist. Über allem drückt das schwarze Tiefenwasser mit physischer Schwere herab, das Licht erlischt innerhalb weniger Millimeter, und feinste Schlickpartikel treiben als kaum sichtbare Trübung im Wasser – geologische Geduld in absoluter, mineralienscharfer Dunkelheit.

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