Im Innern der Symbionten-Kammer
Foraminifera

Im Innern der Symbionten-Kammer

Die gewölbten Wände aus halbkristallinem, bernsteingoldenem Kalzit steigen um dich herum auf wie das Innere einer in warmem Honig­glas gemeißelten Kathedrale — und wer würde ahnen, dass dieses gesamte Bauwerk, diese präzise Mineralarchitektur, das Werk einer einzigen Zelle ist? Durch die Wände dringt das ozeanische Licht hindurch, gebrochen und erwärmt vom calcitischen Kristallgitter, und tritt durch Reihen winziger kreisrunder Poren als schmal gebündelte goldene Nadeln in den Innenraum, die in ihren Lichtkegeln jedes schwebende Partikel im Zytoplasma kurz aufblitzen lassen. Am Boden und im mittleren Raumbereich liegen die Diatomeen-Symbionten — abgeflachte ellipsoidale Zellen mit schokoladen­golden schimmernden Chloroplasten, die in geordneten Reihen entlang der Kammerkrümmung angeordnet sind und das Porenlicht an ihren Siliziumfrustreln als zartes irisierendes Glimmen zurückwerfen. Zwischen ihnen treibt das granuläre Ektoplasma: ein dichter, lebendiger Bernsteinnebel, durchsetzt von dunklen, langsam taumelnden Mitochondrien und opaleszenten Lipidtröpfchen, deren kollektive Bewegung jede Vorstellung von Stillstand zunichte macht. Geradeaus öffnet sich das Septalforamen als ein vollkommen kreisrundes, dunkles Portal durch die Kalzitwand — ein Gravitationspunkt des Blicks, durch den die nächste Kammer als warmes, von Symbionten bevölkertes Zwielicht ahnen lässt, wie endlos diese lebende Laterne aus Mineral und Zytoplasma sich in die Tiefe schichtet.

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