In der Dunkelheit unter dem frisch gestorbenen Baum öffnet sich eine Welt aus zersplitterndem Rindengewebe, schwebenden Sporen und einem Geflecht aus silbrigen Hyphen, die noch immer Nährstoffe zwischen den überlebenden Bäumen transportieren. Die Wurzelrinde über dem Betrachter zerfällt in schokoladenbraune und fast schwarze Fetzen, aus deren Rissen AMF-Sporen in Zeitlupe herausrollen – bernstein- und weinrot leuchtende Körper, die an Felsbrocken oder kleinen Häusern erinnern, ihre dicken Wände teilweise bereits geborsten und Lipidflüssigkeit in den umgebenden Wasserfilm freilassend. Glomalin, das klebrige Glykoprotein der arbuskulären Mykorrhizapilze, überzieht jeden Mineralkornspar wie eine halbdurchsichtige Harzschicht aus rohem Honig und macht die Quarzpartikel – hier in der Größe von Bürohochhäusern – zu schwach leuchtenden Laternen der chemischen Zersetzung. Während das saprotrophe Myzel mit seinen auffällig dickeren, cremefarbenen und verzweigungswütigen Hyphen die tote Rinde kolonisiert, nähern sich von links und rechts zwei mykorrhizale Netzwerke – eines blassgelb, eines cremeweiß –, angelockt von der Nährstoffdichte dieser biologischen Katastrophe. Was sich hier vollzieht, ist kein stiller Tod, sondern ein präziser ökologischer Umbau: Das Kohlenstoff- und Phosphornetz des Waldes reorganisiert sich im Verborgenen, Millimeter für Millimeter, durch chemische Signale und hyphal gewebte Solidarität.
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