Man schwebt inmitten eines grenzenlosen, dicht gedrängten Netzwerks aus blassblau leuchtenden Sauerstoffsphären, deren nächste Nachbarn in einem Abstand von nur 2,75 Ångström fast körperlich nah wirken – so nah, dass die Grenze zwischen dem eigenen Blickfeld und der umgebenden Materie vollständig aufgelöst scheint. Von jedem Sauerstoffkern strecken sich zwei weißlich glänzende Protonenfortsätze unter einem Winkel von 104,5° heraus, und zwischen benachbarten Molekülen spannen sich zartcyanfarbene Wasserstoffbrücken, die in einem Rhythmus von Pikosekunden reißen und neu entstehen – zu schnell für echte Bewegung, wahrnehmbar nur als ein dauerhaftes, leises Flimmern. Das gesamte Gitter atmet mit thermischer Unruhe: Jede Sphäre oszilliert mit feiner, schneller Amplitude, und diese Schwingung pflanzt sich als kollektives Zittern durch das Netzwerk fort, als hätte flüssiges Wasser bei 300 Kelvin einen eigenen molekularen Herzschlag. Bereits nach wenigen Moleküldurchmessern – jenseits von drei bis vier Nanometern – verdichtet sich die Szenerie zu einem tiefen Indigodunst aus überlappenden Elektronenwolken, sodass das visuelle Feld sich auf eine Handvoll vollständig aufgelöster Wassermoleküle beschränkt, bevor die Welt in transluzente Tiefe zerfließt. Diese scheinbar vertrauteste aller Substanzen offenbart sich auf dieser Ebene als ein fremdartig lebendiger Kristallkosmos ohne Horizont, ohne Boden, ohne Schwerkraft – nur das unaufhörliche, isotrope Pulsieren des Wasserstoffbrückennetzwerks, das in alle Richtungen gleichermaßen reicht.
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