Meeresleuchtkäfer Balzleuchten
Micro-crustaceans

Meeresleuchtkäfer Balzleuchten

In der tropischen Nacht, drei Meter über dem Korallenschuttergrund, gibt es kein Mondlicht, keine Streustrahlung, keine Orientierung — nur vollständige, salzige, schwere Dunkelheit, und dann die Männchen von *Vargula hilgendorfii*, die in ihr zu schreiben beginnen. Jedes Tier ist ein ovales Kalkschalengehäuse von kaum einem Millimeter Länge, dessen fein geripfte, porenbesetzte Valven von innen her mit einem milchig-perlmuttenen Schimmer glühen, erzeugt durch das eigene sekretierte Luciferin-Luciferase-System der Drüsenzellen — ein lebendiger Lichtsamen, frei schwebend im Nichts. Aus den Rostraldrüsen zwischen den geöffneten Valven werden paarweise Strahlen biolumineszenter Flüssigkeit in die Wassersäule gepumpt, die sich in arttypischen Spiralgeometrien entfalten: an der Quelle ein gesättigtes Aquaweiß, das durch Blaugrün, Blaugrau und Indigoblau in die umgebende Schwärze zerfällt, als wäre Blitzkraft in Wasser gefangen und langsam freigesetzt worden. Wo sich die Leuchtspur zweier Männchen kreuzt, entstehen kurze Knoten intensivierter Strahlung, die aufflackern und verlöschen, während der Korallenschutt darunter — Kalziumkarbonat, Korallinalgenfragmente, tote Acropora-Äste — nur als tiefblaugrüne Silhouette erahnbar ist, von den nächsten Leuchtspuren von unten her angestrahlt, ein lebendiger Sternkarte aus Chemie und Photonen im flüssigen Universum.

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