CDR-Schleifen Andocken
Macromolecules

CDR-Schleifen Andocken

Der Blick fällt in einen sich verengenden Spalt zwischen zwei gewaltigen Molekülwänden, deren gegenüberstehende Oberflächen sich wie die Klippen eines sich schließenden Canyons aus der allumgebenden blauen Lösungsmittelwelt erheben. Auf der einen Seite wölbt sich die bernsteinfarbene H3-Schleife und die blaugrüne L3-Schleife des Fab-Fragments wie monumentale Finger um eine konvexe Antigenoberfläche, ihre molekulare Topographie aus Seitenketten-Volumina und Rückgrat-Krümmungen so präzise in das gegenüberliegende Epitop geformt, als hätten zwei Kontinente zueinander gefunden. Über das fünf mal sechs Nanometer messende Kontaktareal werden Wassermoleküle wie Funken eines berstenden Spiegels herausgeschleudert, während die zurückbleibenden Elektronendichtewolken beider Oberflächen in einer Art Zeitlupen-Kollision aufeinandertreffen. Cyan leuchtende Wasserstoffbrücken blitzen als zarte Fäden geteilter Elektronendichte über den verbleibenden Ångström-Abstand hinweg auf und stabilisieren sich eine nach der anderen, bis die sechs CDR-Schleifen — in abgestuften Silber- und Mauvtönen wie ein architektonisches Amphitheater angeordnet — das Antigen in ihrer finalen, komplementären Umarmung festhalten. Das warme Saphirblau des Lösungsmittels dringt aus allen Richtungen in diesen Raum ein und erinnert daran, dass diese molekulare Begegnung unaufhörlich vom thermischen Bombardement der umgebenden Wassermoleküle begleitet wird.

Other languages