Im Inneren des gallertigen Hauses von *Oikopleura dioica* füllt ein einziges, kaum drei Millimeter breites Gebilde das gesamte Blickfeld: der Schwanz des Tiers, stroboskopisch eingefroren in einer vollkommenen organischen S-Kurve, schwebt wie ein durchsichtiges Glasband in dem von diffusem blaugrünem Meereslicht durchfluteten Innenraum. Entlang der zentralen Achse dieser Kurve zieht sich die Chorda dorsalis als leuchtend heller Stab gestapelter, vakuolisierter Scheibenzellen, von denen jede einzelne wie eine bikonvexe Wasserlinse bricht und das einfallende Licht zu einem kühlen, blauweiß glänzenden Streifen bündelt – flankiert von hauchdünnen Muskellamellen, deren regelmäßige Querstreifung kaum sichtbar, aber geometrisch präzise ist. Die seitlichen Flossenränder lösen sich als einzelne Beugungssäume irisierender Interferenzfarben auf, an der absoluten Grenze optischer Auflösung, und hinter dem gekurvten Schwanz beschreiben winzige Nahrungspartikel leicht verschwommene Kreisbahnen – stille Zeugen der Wirbelschlepper, die jeder Schlag in der Flüssigkeit hinterlässt und die nun langsam in Ruhe verfallen. Man schwebt in einem Organismus, der zu neunzig Prozent aus Wasser besteht und dessen Architektur allein durch Brechungsindexunterschiede sichtbar wird – eine gläserne Maschine im Maßstab des kaum Fassbaren.
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