Polyclade Magenta auf Korallenrosa
Flatworms

Polyclade Magenta auf Korallenrosa

Vor uns breitet sich das elektrisch magentafarbene Körperdach eines *Pseudobiceros*-Strudelwurms über die rosa-kalkige Plateaulandschaft der Krustanalge aus, seine weiß-cremefarbenen, gerüschten Körperränder zittern wie nasses Seidentuch im sanften Gezeitenschwall, während durch die fast transparente Körperwand nahe der Mittellinie das dunkelviolette Verzweigungsmuster der Darmdivertikel als organische Schattenzeichnung hindurchscheint. Der Wurm gleitet auf einem molekülddünnen Schleimfilm, den sein Wimperepithel sekretiert, eine spiegelblanke Meniskuslinie entlang der Kontaktzone mit dem Kalziumkarbonat-Substrat, das sich zu unseren Seiten wie ein rissiger Plateau aus rosafarbenen und weißgekalkten Polygonzellen erstreckt – jede einzelne Algenzelle so groß wie ein Pflasterstein in einer Stadtstraße. Hoch über uns, sechs Zentimeter entfernt in der Realität, aber in dieser Wahrnehmung ein weiter Glashimmel, zersplittert die pazifische Mittagssonne an der Wasseroberfläche in gleitende Goldnetze, die über den gesamten Untergrund ziehen und den Wurm selbst zwischen tiefem Weinrot und grellem Fuchsia aufleuchten lassen. Im Hintergrund erheben sich die Kalziumkarbonat-Gitterwerke der orangefarbenen Bryozoen wie Festungsmauern aus gestapelten Tierarchitektur, und die geschlossene Seeanemone ragt als samtbezogener Obelisk empor – eine lebendige Wildnis aus biogenem Mineral, flüssigem Licht und weichem, hochpigmentiertem Gewebe.

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