Flagellenmotor Rotor Blick
Eukaryotic cells (tissues)

Flagellenmotor Rotor Blick

Du schwebst reglos über der zentralen Achse eines bakteriellen Flagellenmotors und blickst senkrecht hinab in eine der kompliziertesten molekularen Maschinen der belebten Welt: konzentrische Ringe aus Bronze und oxidiertem Gold versinken schichtweise in tiefblau schimmernde Membranen, der L-Ring in der äußeren Membran, der P-Ring eingebettet in eine bernsteinfarbene Peptidoglykanlage, der MS-Ring schließlich als skulptiertes, radial geripptes Zentrum aus gediegenem Metall. Siebzehn MotA/MotB-Statorkomplexe drängen sich in nahezu perfekter Radialsymmetrie um den Rotor, massive bleigraue Strebepfeiler, die die innere Membran stützen wie die Stützbögen einer Kathedrale ihr Mauerwerk — jeder Komplex leicht anders ausgerichtet, jede Kontaktfläche mit molekularer Präzision geschliffen. Über dir schraubt sich das Flagellenfilament in einem langen, gleichmäßigen Helix aus dem Bildfeld hinaus, sein Oberfläche von einem kalten, richtungslosen Licht gestreift, während der Haken — kurz und leicht gebogen wie eine Wellenkupplung — Rotor und Filament durch die äußere Membran hindurch verbindet. Das gesamte Ensemble vermittelt keine Starre, sondern mechanische Bereitschaft: Oberflächen, poliert durch Millionen Jahre evolutionärer Selektion, der gesamte Apparat in jedem Augenblick bereit, mit hundert bis tausend Umdrehungen pro Sekunde in der Dunkelheit des Zytoplasmas zu rotieren.

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