Der Blick öffnet sich in den Innenraum eines schmalen Kanals, der durch das antarktische Meereis schneidet – die Wände steigen wie facettiertes Polarglas um den Betrachter auf, tiefblau leuchtend im Kern, aquamarinfarbig ausblassend, wo winzige Eiskristalleinschlüsse das von oben herabsickernde, stark gedämpfte Licht brechen und in Keile aus Cyan, Silber und blassem Violett zerspalten. Die hyperhaline Sole, die diesen Kanal füllt, ist leicht viskos und trägt einen bernsteinfarbenen Schimmer aus gelöstem organischem Material, der jedem Lichtstrahl eine schwere, prismatische Qualität verleiht. Durch diese Flüssigkeit driften Ketten von *Fragilariopsis cylindrus* – acht Mikrometer lange Siliziumdioxid-Zylinder, aneinandergereiht wie transparente Perlenschnüre, deren fucoxanthinreiche Chloroplasten wie zusammengepresste Glut in Bernsteingold hinter den gläsernen Frustulenwänden brennen, umhüllt von kaum sichtbaren antigefrierenden EPS-Gelscheiden, die sich wie Atemhauch auf kaltem Glas um jede Kette legen. Den Boden des Kanals bedeckt eine dichte, dunkelgoldbraune Lage abgesunkener Diatomeenbiomasse – eine lebende Matte aus abgelagerten Zellen in der Farbe alten Bernsteinharzes, durchzogen von einzelnen, noch photosynthetisch aktiven Chloroplasten, die wie Lichtfunken in der Tiefe des polaren Winters glühen.
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