Lampocteis Karmesinabgrund 1000m
Ctenophores

Lampocteis Karmesinabgrund 1000m

Im Lichtkegel der blauen ROV-Scheinwerfer taucht aus absolutem Schwarz ein unmögliches Tier auf: *Lampocteis cruentiventer*, die Blutrote Rippenqualle, hängt reglos drei Körperlängen vor der Kamera in tausend Metern Tiefe des Monterey-Canyons, ihr scharlachrotes Mesoglea-Gel so gesättigt, dass es fast chirurgisch wirkt gegen die Finsternis um sie herum. Die breiten Mundlappen hängen geöffnet und entspannt nach vorn, wie die samtigen Blütenblätter einer Tulpe in voller Blüte, ihre Oberränder fangen das blaue LED-Licht und werfen einen zyanfarbenen Glanzstreifen, bevor die Helligkeit in weinroten Schatten versinkt. Acht Kammreihen zeichnen sich als kaum dunklere Längsrippen über den roten Körper – die einzelnen Ctenophoren-Platten, jede ein Bündel aus Hunderttausenden fusionierter Geißeln, bleiben bei diesem eingefrorenen Blick unsichtbar, hinterlassen aber eine zarte, gerippte Textur, die das schrägfallende Licht in Mikroschaten verwandelt. Mariner Schnee – Partikel organischen Trümmermaterials von staubfein bis reiskorngroß – treibt stetig durch den Lichtkegel auf unterschiedlichsten Vektoren, gibt dem schwarzen Wasser messbare Tiefe und erinnert daran, dass dieser Körper, der zu 97 Prozent aus Wasser besteht und kaum schwerer als das Meer selbst ist, in einer Strömungslandschaft aus fallendem organischen Material existiert, in der er als lautloser, gallertiger Räuber auf Beute wartet.

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