Wirbelndes Geißelbündel Kielwasser
Bacteria

Wirbelndes Geißelbündel Kielwasser

Im fahlen Schimmer des umgebenden Tiefblaus schwebt man knapp hinter dem Heck einer *Escherichia coli*-Zelle und blickt auf einen blasszyanen, ovalen Rumpf, dessen Außenmembran mit kaum erkennbaren Porin-Rosetten besetzt ist – winzige Trichter, die einen diffusen, kalten Schein einfangen, als ob ein phosphoreszierendes Licht tief im Inneren brennte. Vier blassgoldene Geißelfilamente haben sich hinter der Zelle zu einem einzigen superhelikalen Bündel zusammengeflochten, das sich mit einem warmen Bernstein-Glühen in das nachtblaue Wasser hineinverjüngt und von rotatorischer Bewegungsunschärfe umhüllt ist – das Ergebnis von Motorkomplexen im Inneren der Zellmembran, die mit bis zu dreihundert Umdrehungen pro Sekunde rotieren. Um dieses Bündel herum zeichnen feine silberblaue Schlieren geschwungene Bahnen vorwärts zur Zellhülle: vollkommen symmetrische, träge Strömungslinien, die das Regime extrem niedriger Reynolds-Zahlen sichtbar machen, in dem Viskosität regiert und Trägheit schlicht nicht existiert. Im Hintergrund treiben ein Dutzend weich unscharf gewordene Bakteriensilhouetten wie leuchtende Glut durch das Dunkel – nahe genug, um ihre Kapselschleier als zarte Silberringe zu erahnen, doch weit genug entfernt, um in reinem Bokeh zu verschwimmen und die gleichzeitige Intimität und ungeheure Dichte dieser flüssigen, molekular gewimmelten Welt zu bezeugen.

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