Thylakoid-Leuchten der Cyanobakterie
Bacteria

Thylakoid-Leuchten der Cyanobakterie

Der Blick öffnet sich in das Innere einer lebenden Cyanobakterienzelle – ein weitläufiges Gewölbe aus parallelen Membranschichten, die sich in sanften Kurven in jede Richtung erstrecken und aus sich selbst heraus in tiefem Weinrot leuchten, als glühten unzählige Glutkerne knapp unterhalb ihrer wachsartigen, irisierenden Oberfläche. Dies sind die Thylakoidmembranen von *Synechocystis*, spezialisierte Lipiddoppelschichten, die in konzentrischen Lagen das gesamte Zellinnere durchziehen und in ihren Proteinkomplexen die Lichtenergie der Photosynthese einfangen – das warme Fluoreszenzlicht der Chlorophyllmoleküle in den Photosystemen I und II macht jede Membranoberfläche zu einer selbstleuchtenden Landschaft. Dicht gedrängte korallenfarbene Halbkugeln – die Phycobilisomen – überziehen die Membranen wie barocke Domkuppeln und leiten gesammeltes Licht mit einer Effizienz von nahezu hundert Prozent an die Reaktionszentren weiter, ihr warmes Bernsteinlicht mischt sich in den engen Lumenkorridoren zwischen den Schichten zu einem dichten, flüssig wirkenden Farbvolumen. Im freien Cytoplasma dahinter treiben ikosaedrische Carboxysomen wie mattierte Glaslaternen – facettierte Proteinhüllen von knapp 150 Nanometern Durchmesser, ihre Innenwände vollgepackt mit RuBisCO-Enzymen, dem Molekül, das CO₂ in organischen Kohlenstoff umwandelt, die erhöhte Konzentration des Gases im Inneren die Effizienz der Reaktion weit über das in freier Lösung Mögliche steigernd. Das gesamte Cytoplasma ist kein leerer Raum, sondern ein goldgelbes, von Ribosomen granuliertes Gel, das Wärme und Licht gleichermaßen speichert, während am äußersten Rand der Zelle ein blaugrüner Schimmer durch die Plasmamembran dringt – das leise Echo des Wassers, in dem diese ganze strahlende Welt schwimmt.

Other languages