Meeresschnee Abstieg
Phytoplankton & coccolithophores

Meeresschnee Abstieg

Im tiefblauen Dunkel in 200 Metern Tiefe zieht eine stumme Prozession herab: wattige, grau-braune Aggregate aus zerschellten Coccolithen, toten Kieselalgenschalen, Schleimfäden und verdautem Zellmaterial treiben in äußerster Zeitlupe abwärts, jede Flocke von den letzten gedämpften Photonen aus der euphotischen Zone in ein kühles, blau-weißes Schimmern gehüllt, da die eingebetteten Kalzitplättchen das Restlicht zwischen 450 und 490 Nanometern zurückwerfen. Zwischen diesen Wolkenfetzen organischer Erinnerung schießen dunkelbraune, zylindrische Kotpillen weitaus schneller und gerader hinab, dicht und wächsern, als hätten sie die Schwerkraft effizienter begriffen als ihre porösen Nachbarn. Fast unsichtbar verbinden TEP – transparente Exopolymerpartikel, ausgeschieden von Algen und Bakterien – die Aggregate in zitternden Schleiernetzen, die sich nur an ihren Rändern als irisierender Hauch verraten, eine kollabierte Seifenblasenarchitektur zwischen dem Treibgut. Diese biologische Pumpe, die seit Hunderten von Millionen Jahren kohlenstoffreiches Material in die Tiefe befördert und in Sedimenten wie den Kreidefelsen von Dover archiviert, vollzieht sich hier als lautloses, gravitätisches Schneien – der Ozean schreibt seinen Kohlenstoffhaushalt Flocke für Flocke in die ewige Dunkelheit.

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