Gewebte Oberfläche des Ektomykorrhiza-Mantels
Mycorrhizae & soil networks

Gewebte Oberfläche des Ektomykorrhiza-Mantels

Die Oberfläche, auf der man steht, ist kein Boden im gewöhnlichen Sinne: Es ist ein lebendiges Gewebe aus ineinandergreifenden Pilzzellen, dicht gewoben wie handgelegtes Keramikpflaster, cremeweiß an ihren Kernen und an den Nahtstellen von einem schwachen Schwefelgelb durchzogen, das die gesamte Fläche in einem kalten, perlmuttartigen Schimmer aufleuchten lässt. Hinter einem erhebt sich die Wurzelsäule wie die Bordwand eines gestrandeten Schiffes – ein massiver, glattgebogener Wall aus horn- bis dunkelbraunem Rindengewebe, dessen Krümmung so gewaltig ist, dass sie sich lange vor dem fernen Rand im Dunst auflöst, während an der Kontaktzone zwischen Mantel und Wurzelepidermis ein bernsteinfarbenes Glühen die unsichtbare Labyrinthstruktur des Hartig-Netzes verrät, das dort im Inneren sein stilles Werk tut. Zwischen den Zellfugen des Mantels haben sich Tonplättchen und eckige Mineralkörnchen festgesetzt – aus dieser Perspektive riesige Felsblöcke mit organischem Bernsteinfilm überzogen –, und sie pressen sich in die Vertiefungen des lebendigen Gewebes wie Sediment in Mauerfugen. Wenige Körperlängen voraus löst sich das Geflecht in einzelne Hyphen auf, die wie Glasfaserfilamente in den absoluten Schwarz des unkolonisierten Bodenporensystems hineinstrahlen: transparente Röhren, jede nur wenige Mikrometer breit, ihr brechendes Wandmaterial kaum von der Dunkelheit zu unterscheiden, und doch durch das schwache innere Leuchten der strömenden Organellen als helle, tastende Sonden gegen die Leere gezeichnet – das Nervensystem eines Waldes, noch bevor er weiß, dass er einen braucht.

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