Caulerpa-Teppich am Meeresgrund
Giant unicells

Caulerpa-Teppich am Meeresgrund

Der Blick streift zentimeterknapp über den hellen Kalksand in zwölf Metern Tiefe und trifft auf eine Wand aus elektrischem Smaragdgrün, die sich lückenlos bis zum Horizont erstreckt: ein dichter Teppich aus *Caulerpa taxifolia*, jedes federartig gefiederte Thallus ein einziges riesiges Coenocyt, eine kernlose Vielfachzelle ohne innere Trennwände, deren gesamter Stängel, alle Stolonen und sämtliche Fiederblättchen von einem einzigen gemeinsamen Zytoplasma durchströmt werden. Die gepaarten, paddelflachen Pinnulen sind mit mechanischer Präzision entlang der Rachis angeordnet und fangen das diffus einstreuende, blau verschobene Sonnenlicht auf; wo es die hauchdünnen Randzonen von vorn beleuchtet, leuchten sie gelbgrün auf und geben den Blick frei auf eine glasige Vakuole und den granulierten, chlorophyllreichen Kortex darunter. Langsam ziehende Lichtkaustiken streifen über die Frondspitzen und verlieren sich im blaugrünen Halbdunkel zwischen den Stolonen, während eine einzelne, elfenbeinfarbene Gastropodenschale mit ihren Spiralrippen wie ein Fremdkörper auf dem Sand liegt – der einzige Gegenstand, der an menschliche Dimensionen erinnert, inmitten einer lebendigen Tessellation, die jede andere Struktur auslöscht. Diese invasive Alge überwuchert weite Teile des Mittelmeers mit einer Dichte und Gleichförmigkeit, die dem Meeresgrund jenen Artenreichtum raubt, der ein vielgestaltiges Benthos erst möglich macht.

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