Tiefseefest der Aasfresser
Gelatinous plankton (salps, larvaceans)

Tiefseefest der Aasfresser

Der Blick fällt aus wenigen Zentimetern Höhe auf den zusammengesunkenen Kadaver einer Salpe, der wie ein zerknittertes Glasläppchen auf dem Sedimentboden in 1.500 Metern Tiefe liegt – ein schlaffer, blassweißer Gallertbeutel, dessen einstige Ringmuskulatur noch als zarte silbergraue Streifen durch die entleerte Mesoglea schimmert. Unregelmäßige Flecken mattweißen Bakterienbiofilms haben das Gewebe kolonisiert und verwandeln den Kadaver in eine ephemere Nahrungsressource, die in dieser Tiefsee als unverhoffter Energieschub gilt – ein Phänomen, das Wissenschaftler als „Tiefenopportunismus" bezeichnen, da organisches Material aus dem Pelagial selten und unvorhersehbar auf dem Abyssal auftrifft. Drei perlmuttartige Polychaetenwürmer tasten mit federförmigen Tentakelpalpen über die Biofilmflächen, während ein Ophiuridenarm in cremefarbenen Kalzitossikeln vom Sedimentrand herangreift und seine Saugfüße in die Gallerte drückt; fünf glasklare Amphipoden mit leuchtend roten Facettenaugen schaben entlang der Ränder an dem zerfallenden Material. Das umgebende foraminiferendurchsetzte Tiefseeooze aus feinstem biogenem Kalk rahmt die Szene in einer nahezu farblosen blauen Stille ein, in der der bleiche Kadaver wie eine Lichtinsel im ansonsten schwarzen Ozean erscheint und für kurze Zeit ein dicht gedrängtes Gemeinschaftstreffen des abyssalen Lebens ermöglicht.

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