In diesem Augenblick schwebt man knapp über dem bernsteinlackierten EPS-Boden einer Sandkornoberflöche und blickt in ein dichtes Gehölz aus gestielten Diatomeen, deren fächerförmige Kieselschalen auf bis zu 25 Mikrometer hohen Schleimstängeln stehen und das einfallende Streifenlicht wie hinterleuchtetes Milchglas auffangen, während ihre Y-förmigen Schatten das gelartige Substrat darunter strukturieren. Zwischen den Stängeln drängt sich ein Chaetonotus-Gastrotrich — ein vielzelliges Tier von kaum 200 Mikrometern Körperlänge —, dessen milchig durchscheinende Cuticula den Blick freigibt auf den weit aufgespreizten dreiarmigen Pharynx, der eine vollständige Diatomeenzelle umschließt und dabei eine Silicatschale verarbeitet, die fast so breit ist wie der Kopf des Tieres selbst. Die Ventralcilien schlagen in metachronem Rhythmus mit einer Frequenz von rund 30 Hertz, während die hinteren Klebröhrchen das Tier gegen den Zug der Fressreaktion in einer EPS-Leiste verankern, und Vibrio-förmige Bakterien ziehen gläzende Schleimspuren über den Boden, der sich im warmen Bernsteindunst interstitiellen Wassers verliert. Diese architektonisch verdichtete Welt aus Kiesel, Schleim und Cilien ist kein Randphänomen, sondern ein vollständiges Ökosystem, in dem Oberflächenspannung und chemische Gradienten die Rolle übernehmen, die andernorts Schwerkraft und Wind spielen.
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