Osculum Strahl Sonniges Riff
Choanoflagellates & sponges

Osculum Strahl Sonniges Riff

Du schwebst direkt über dem Rand des Osculums eines gewaltigen Fasserschwamms, und was sich vor dir öffnet, wirkt wie der Schlund eines lebenden Vulkans – ein kreisrundes Kaminloch, dessen terrakottafarbene Innenwände sich in dunkel verzweigte Exhalantkanäle hinab verlieren, während ein kontinuierlicher Ausstromstrahl gefiltertes Meerwasser nach oben treibt und die Wassersäule mit einem flimmernden, schlierenartigen Wärmespiegeleffekt erfüllt. Dieser Schwamm ist kein passives Riffgebilde: Er pumpt täglich das Zwanzigtausendfache seines eigenen Körpervolumens durch ein internes Labyrinth aus Kammern und Kanälen, angetrieben von Tausenden mikroskopischer Choanozyten, deren synchron schlagende Geißeln im Verborgenen eine laminare Strömung erzeugen, die Bakterien, gelöste organische Substanzen und Partikel aus dem vorbeiziehenden Wasser herausfiltert. Die im Aufstrom schwebenden Partikel – transluzente Detritusflocken, blasse Bakterienwolken, einzelne Kieselsäuresplitter – fangen das türkisblaue Kaustikmuster des Oberflächenlichts ein und treiben träge in die offene Wassersäule, während die raue Außenwand des Schwamms von eingewachsenen Bryozoen und korallinischen Algen besiedelt wird und weich defokussierte Rifffische im warmen Hintergrund die Lebendigkeit dieser uralten, atemgleichen Architektur bezeugen. Schwämme gehören zu den frühesten mehrzelligen Tieren der Erdgeschichte, und ihre Verwandtschaft mit den koloniebildenden Choanoflagellaten – einzelligen Organismen mit nahezu identischem Kragenzelltyp – macht diesen Ort zum molekularen Schwellenwert zwischen Einzeller und Tierkörper.

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