Vor dir erhebt sich die zylindrische Wand von *Euplectella aspergillum* in der absoluten Schwärze der Tiefsee wie das Mittelschiff einer gotischen Kathedrale aus gefrorenem Licht – ein schachbrettartiges Gitter aus sechsstrahligen Kieselsäure-Spicula, die an jedem Kreuzungspunkt zu einem einzigen starren Synzytium verschmolzen sind, die Geometrie so präzise und regelmäßig, dass sie eher konstruiert als gewachsen wirkt. Jede Spicula glüht über ihre gesamte Länge in einem kalten Blaugrün, weil das Siliziumdioxid wie eine echte Lichtleitfaser wirkt und das schwache Biolumineszenzlicht des umgebenden Wassers in sich aufnimmt und kanalisiert, sodass das Leuchten aus dem Innern des Stabes selbst zu emanieren scheint. Blickt man durch die Gitterwand in den hohlen Atrium-Innenraum, multiplizieren sich komplexe Schattenraster nach innen, und an gebrochenen Spiculaquerschnitten sind konzentrische Laminationsringe im Silizium sichtbar – Wachstumsschichten wie die eines gläsernen Baumes, halb durchscheinend und bernsteinfarben im dichten Kern, bevor sie in ein reines, glaziales Weiß übergehen. Tief im Innern des Atriums erscheinen zwei kommensale Garnelen als warm bernsteinrosa Silhouetten, von dem sanften Leuchten hinter ihnen durchdrungen, ihre segmentierten Körper und fedrigen Antennen wie lebendige Buntglasfiguren, die für immer in ihrer gläsernen Kathedrale eingeschlossen sind, während das Wasser ringsum – mit dem Gewicht der gesamten Wassersäule darüber – in vollkommener Stille und Dunkelheit jenseits des Leuchthalos verharrt.
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