Amorphes Silizium Wirres Labyrinth
Atoms

Amorphes Silizium Wirres Labyrinth

Der Blick führt nirgendwo hin: Mittelgraue Siliziumkugeln, jede so groß wie ein Felsbrocken im Verhältnis zum Beobachter, drängen sich aus allen Richtungen heran und verschließen jeden Sichtkanal bereits nach drei oder vier Bindungslängen in einem wirren, nie sich wiederholenden Geflecht kovalenter Materie. Zwischen den Atomen spannen sich kurze Brücken verdichteter Elektronendichte — warm-grauweiße Zylinder aus geteilt­em Quantenraum, die in vollkommen regellose Winkel kippen, so dass weder Reihe noch Ebene noch Symmetrieachse ablesbar ist. An vereinzelten Defektstellen, wo ein Siliziumatom seinen vierten Bindungsarm ins Leere streckt, glüht ein weich-bernsteinfarbener Lappen aus ungesättigtem Orbital wie eine erloschene Fackel im Halbdunkel — das einzige Warm­licht in einer ansonsten kühl silbergrauen Welt. Amorphes Silizium ist kein zufällig zertrümmertes Kristall, sondern ein statistisch frustriertes Netzwerk mit mittlerer Nahordnung, das tetraedrische Bindungsgeometrie anstrebt, sie aber nie konsequent durchhält, weshalb Bandlücke, Leitfähigkeit und optische Absorption gegenüber der kristallinen Phase stark verändert sind. Das Labyrinth hat keine Grenze und keine Öffnung — nach hinten lösen sich die Kugeln in einen strukturlosen leuchtend-grauen Dunst auf, eine klaustrophobische Unendlichkeit geordneter Unordnung, die sich in jede Richtung gleichförmig fortsetzt.

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