Silika-Polymerisation an SDV-Wand
Radiolarians

Silika-Polymerisation an SDV-Wand

Die gesamte Welt besteht hier aus einer einzigen gewölbten Fläche – der Innenseite der Siliziumablagerungsvesikel, einer membranösen Kammer, in der die Radiolarie ihr mineralisiertes Skelett Schicht um Schicht aufbaut. Über dem Betrachter zieht sich die Silikalemma als messerscharfe dunkle Doppellinie in einem weichen Cremeweiß, das von allen Seiten durch die Membran dringt wie Tageslicht durch Reispapier; darunter kriecht eine blasse, grauweißliche Silicagel-Front mit der Geduld erkaltender Lava über ein rostfarbenes Geflecht aus silaffinähnlichen Proteinfibrillen, deren Terrakotta-Wärme unter den vordringenden Mineralschichten langsam zu tiefem Sienna abdunkelt. Die Silizifizierung ist kein abrupter Vorgang, sondern ein graduelles Einschließen: Die Gelfront durchdringt das Proteingitter wie eine Flut, die über feuchten Sand steigt, und wandelt ein biologisches Gerüst in dauerhaften, amorphen Quarz um – denselben Werkstoff, aus dem das gesamte Skelett des Organismus besteht und der nach dem Tod des Tiers jahrmillionenlang im Meeresgrund erhalten bleibt. Im Bernsteinlicht des umgebenden Cytoplasmas dahinter leuchten ferne Organellen als gefärbte Flecken – ein kobaltblaues Mitochondrium, ein smaragdgrünes Granulum –, stille Zeugen eines Mineralisierungsprozesses, der sich in diesem abgeschlossenen Hohlraum, Nanometer für Nanometer, in vollständiger Stille vollzieht.

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