Höhle des Protease Aktivzentrums
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Höhle des Protease Aktivzentrums

Wer an der Schwelle dieser molekularen Höhle steht, blickt in einen kaum fünfzehn Ångström weiten Kathedralenraum aus Protein — die Wände aus blassem Beta-Faltblatt wölben sich wie polierter Knochen, ihre Oberfläche von einer thermischen elektrostatischen Potentialkarte in ein kontinuierliches Farbenspektrum getaucht, das von kühlem Coelinblau über Violett bis in glutrotes Scharlach an den ladungsdichten Rückwänden zieht. Im Innern des aktiven Zentrums der Serinprotease Trypsin sind drei Residuen wie Altarbilder einer katalytischen Kathedrale angeordnet: das Hydroxyl-Sauerstoffatom von Serin 195 leuchtet in einem chirurgisch-weißen Goldton und richtet seine freien Elektronenpaare auf das Substrat, der Histidin-Imidazolring schwebt in elektrischem Kobaltblau als Protonenshuttle zwischen zwei Zuständen, und das Aspartat-Carboxylat pulsiert in tiefem Karmesin an der Rückwand — die drei Glieder eines Ladungs-Relais, das in Lichtgradienten allein geschrieben ist. Über dem Scheitel der Höhle spannt sich die spaltbare Peptidbindung des Substrats wie eine leuchtende Brücke, ihr Carbonyl-Kohlenstoff hängt in einem geometrisch erzwungenen Abstand von kaum drei Ångström über dem Serinoxygen — eine elektrostatische Spannung, die Reaktant und Produkt durch schiere Nähe trennt. Alles zittert: Bindungsschwingungen in der Größenordnung von Femtosekunden, Wasserstoffbrücken, die in Pikosekunden brechen und sich neu knüpfen, die van-der-Waals-Radien jedes Atoms als fühlbar körnige Topographie, die den Betrachter in einem Ausschlussvolumendruck einschließt, der weniger gesehen als gespürt wird.

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