In dieser eingefrorenen Millisekunde hängt ein irisierender Collembole der Gattung *Entomobrya* – knapp einen Millimeter lang – frei in der Luft: Die gegabelte Furcula, ein bernsteinfarbenes Chitingebilde, streckt sich noch nach unten, während der Körper bereits in seiner explosiven Rotation begriffen ist, Kopf abwärts, Abdomen erhöht, sechs blasse Fadenbeine leicht nach außen gespreizt. Die überlappenden Schuppen auf Thorax und Abdomen zersplittern einen einzelnen, durch verwestes Zellulosegewebe gefilterten Lichtstrahl in blauviolettes Schillern, jede Schuppenkante wie die Perlmutt einer mikroskopischen Muschel – ein optisches Phänomen, das durch die Nanostruktur der Kutikula entsteht und nicht durch Pigment. Unterhalb des Tieres löst sich die amber-braune Streuauflage in weiches Bokeh auf: Quarzkörner leuchten als transluzente Kugeln, Myzelfäden spannen sich wie Seile zwischen Blattfragmenten, und wo das Collophore zuletzt den Untergrund berührte, treibt eine Mikrowolke aus oblaten Pilzsporen – je zwei bis fünf Mikrometer im Durchmesser – in einem gefrorenen Halo auseinander, die innersten Sporen noch in der Oberflächenspannung eines Wasserfilms gefangen. Dieser Sprung, ausgelöst in ein bis zwei Millisekunden, ist einer der schnellsten Bewegungsabläufe der gesamten Biologie: ein Tier von einem Milligramm Masse, das die Schwerkraft spielend überwindet und in einer Welt, die von Kapillarkräften und Van-der-Waals-Adhäsion beherrscht wird, für einen kurzen Moment vollständig frei fliegt.