Nauplius-Schwarm im Ästuar-Morgengrauen
Micro-crustaceans

Nauplius-Schwarm im Ästuar-Morgengrauen

In dieser Welt bist du selbst so klein wie ein Nauplius-Larv — jener erste, freischwimmende Entwicklungsschritt der Krebstiere, kaum 120 Mikrometer lang, oval und beinahe unsichtbar im graustichig-grünen Brackwasser der Chesapeake Bay im Morgengrauen. Was dich umgibt, ist keine Leere, sondern ein dichtes, lebendes Medium: Überall hängen feurig-orange Dreifach-Augenflecken im Trüben, jeder ein Naupliusauge aus verschmolzenen Ommatidien, das einzige farbige Organ in einem sonst geisterhaften, chitinhäutigen Körper, dessen Silhouette sich nur durch die silberfadigen Antennenborsten und den geschwungenen Schatten seines Darms zu erkennen gibt. Schräge, goldgelbe Tyndall-Strahlen des tief stehenden Märzdämmers durchdringen von oben rechts die drei Meter suspensionsreicher Wassersäule — kolloidale Tonminerale, Detritus und Phytoplankton streuen das Licht zu scharfen, obliquen Lichtsäulen, in deren Schnitt die transparenten Larvenkörper kurz aufleuchten und die eingelagerten Eyespots zu Glutpunkten auflodern. Zwischen den Nauplii treiben wie verstreute Bronzenadeln die siliziumwandigen Frusteln der pennaten Diatomee *Nitzschia*, facettiert und lichtbrechend, während der Bildhintergrund sich in ein samtiges Blaugrün aus immer kleineren, schwebenden Rubinfunkeln auflöst — jeder einzelne davon ein unsichtbares Leben, das in diesem einen Kubikmillimeter Salzwasser mit Dutzenden anderen teilt, was für ein kurzes Nauplius-Dasein an Welt zur Verfügung steht.

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