Schlieren Strahlantrieb Strömung
Gelatinous plankton (salps, larvaceans)

Schlieren Strahlantrieb Strömung

Auf Augenhöhe mit der geschwungenen Kette von *Cyclosalpa affinis* schwebt man mitten im offenen Ozean, umgeben von einem tiefen Kobaltblau, das nach unten ins fast Schwarze übergeht – jeder einzelne Zoid füllt das Blickfeld wie ein bernsteinfarbenes Windlicht aus reinem Glas, seine Wand so transparent, dass das Meerwasser hindurchscheint und sich nur durch einen zarten prismatischen Schimmer an der gewölbten Tunikakante verrät. Die Schlieren-Optik macht das Unsichtbare sichtbar: Aus jedem Atrialsipon quillt ein silbrig-weißer Atemzug warmen Ausatemwassers hervor, dessen Dichtegradient das Licht bricht und ihn wie Morgenrauch erscheinen lässt, der sich in feinen Lamellen auffaltet und nach drei bis fünf Zentimetern mit dem Nachbarstrahl zur geflochtenen Turbulenzwolke verwebt. Jeder Zoid ist zugleich ein Strahlantrieb und ein Filterapparat: Während die Atemzüge nach hinten treiben, zeigen die oral ausgerichteten Einströmsiphonen zarte konkave Schattendellen, wo das partikelreiche Wasser in den Schleimmukosfilter gesogen wird und dabei als schwache optische Linse im Gegenlicht erscheint. Die Kette als Ganzes zieht sich in einem dreidimensionalen Bogen durch das Bild – nahe Zooide scharf und kristallin, entfernte zu blaugrauen Geisterformen verblasst –, während einzelne Marineeschneeflocken träge vorbeitreiben und die lebendige Bernsteinglut der Verdauungsorgane in jeder Kammer still und gleichmäßig pulsiert.

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