Evolutionäres Grenzland DIC-Feld
Choanoflagellates & sponges

Evolutionäres Grenzland DIC-Feld

Im tiefsten Blauschwarz eines DIC-beleuchteten Präparats schweben zwei Welten in einem Abstand von kaum hundert Mikrometern voneinander: links die geometrisch makellose Rosette einer *Salpingoeca rosetta*-Kolonie, deren zweiunddreißig Zellen ihre Kragen-Geißel-Einheiten wie silberne Nadeln nach außen recken, ein biologisches Kristall aus lebendigem Glas; rechts die parenchymella-Larve eines kalkigen Schwammes, dicht und opak, ihr konvexer Rücken brennend hell im schrägen Licht, ihr hinteres Ende von warmen Bernsteintönen durchdrungen, wo dottergefüllte Reservezellen wie Glut in einem Raum aus Eis glühen. Das Wasser zwischen beiden ist keine Leere, sondern eine zähviskose, molekular gedrängte Flüssigkeit, in der Schwerkraft keine Rolle spielt und vereinzelte Bakterienschatten lautlos treiben — potenzielle Mahlzeiten für Filtriermechanismen, die in beiden Organismen annähernd identisch gebaut sind. Denn in der Tiefe der Larve zeigen einzelne Zellen bereits die Umrisse von Kragenzellen: Evolution beim stillen Proben einer Körperarchitektur, deren Urform mehr als siebenhundert Millionen Jahre zurückreicht und in dieser einen Aufnahme, im Abstand weniger Atemzüge zweier mikroskopischer Körper, noch immer gegenwärtig ist.

Other languages