Vor dir öffnet sich eine unterirdische Welt aus blassgrauem Kalkstein, dessen Oberfläche mit winzigen Kalzitkristallen übersät ist, die einen einzelnen kalten Lichtstrahl – das ferne Echo eines Höhleneingangs – als harte weiße Funken reflektieren, während das meiste des Raumes in geschichteter Dunkelheit versinkt. Die Moosblätter über dir ragen wie jadegrüne, fast durchsichtige Baldachine in die Stille, ihre Zellen so chloroplastenarm, dass sie das spärliche Licht eher hindurchlassen als absorbieren, die Zellwände aus Zellulose elfenbeinfarbig leuchtend wie die Fenster eines schwach beleuchteten Gebäudes. Jede Oberfläche – Stein, Stängel, Blattzelle – ist mit einem hauchdünnen Wasserfilm überzogen, dessen Menisken an den Zellkontakten sich zu bogenförmigen Wänden aus klarem Glas spannen, die Oberflächenspannung hier eine ebenso mächtige Kraft wie anderswo die Schwerkraft. Aus dem tiefen Schatten löst sich eine cremeweiße, fast durchscheinende Gestalt: ein Tier ohne funktionsfähige Augen, die Stelle, an der Pigmentflecken sein sollten, nur ein blasser Schatten im Gewebe, während es mit gesenktem Vorderende die nasse Steinoberfläche ertastet, seine gebogenen Klauen in den Kalzitkristallen Halt findend. Pilzhyphen ziehen sich als milchig leuchtende Seile durch den Mittelgrund, und die Stille der Höhlenatmosphäre ist so absolut und feuchtigkeitsgesättigt, dass selbst die Luft eine greifbare Textur zu haben scheint.
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