Retikuläre Exine Landschaft
Plants — meristems & tissues

Retikuläre Exine Landschaft

Die Welt, die sich vor dir erstreckt, ist aus einem einzigen Material gebaut: Sporopollenin, einem der widerstandsfähigsten organischen Polymere, das die Natur kennt, hier zum netzartigen Exinen-Relief eines Rosenpollenkorns geformt, dessen Grate sich in unregelmäßigen Sechsecken von je etwa 2,5 Mikrometern Breite über die gesamte Oberfläche erstrecken. Die Lumina zwischen den Graten sind keine bloßen Vertiefungen, sondern echte architektonische Kammern, 1,5 Mikrometer tief, ihre Böden in warmem Bernstein versinkend, während das schräg einfallende Licht die Kammern in Schichten aus Ocker und Schatten taucht und die Autofluoreszenz des Sporopollenins wie eine in das Material eingeschlossene goldene Nachmittagswärme nach außen dringt. Quer durch die Landschaft bricht der Colpus auf — eine der drei länglichen Keimöffnungen des Pollenkorns, wo die Exine sich verdünnt, nahezu transparent wird und die Grate in ein flaches, helles Tal auslaufen, das der gesamten Sphäre ihre tricolpate Symmetrie verleiht und zugleich die Zone markiert, durch die der Pollenschlauch beim Keimen austreten wird. Was aus der Ferne wie eine schlichte geometrische Ornamentik wirken mag, ist in Wahrheit das Ergebnis eines physikalisch-chemischen Selbstorganisationsprozesses während der Pollenentwicklung: Die Tapetumzellen des Pollensacks lagern Sporopollenin-Vorstufen nach einem durch den Primexine-Template vorgegebenen Muster ab, sodass jede dieser scheinbar geologischen Unregelmäßigkeiten biologische Notwendigkeit widerspiegelt.

Other languages