Bärentierkrallen im Biofilm
Gastrotrichs & meiofauna

Bärentierkrallen im Biofilm

Gebückt auf Augenhöhe mit dem Bauch eines Stygarctus-Bärtierchens erblickt man einen massiven, tonnenförmigen Körper aus perlmuttartig-grauem, durchscheinendem Panzer, durch dessen Cuticula die dunklen Ringe der Kreismuskulatur wie Reifenbänder eines Fasses zu erkennen sind, während das gesamte Tier von warmem, durch einen überragenden Quarzkornes gefiltertem Gegenlicht durchleuchtet wird. Die vier aufgesetzten Lobopodien pressen das goldgelbe EPS der Biofilmschicht in flache Krater, und jede Gruppe gebogener, dunkler Klauen gräbt sich mit der ruhigen Entschlossenheit von Greifhaken in das viskoelastische Gel, die Klauenspitzen unter dem goldenen Meniskus des Biofilms verschwindend, während zwei in der Mitte gelegene Beinpaare im Schritt angehoben sind und ihre freien Klauenbündel als kleine dunkle Halbmonde im Streiflicht aufblitzen. Die Biofilmschicht selbst ist das beherrschende Material dieser Welt – ein durchgehendes, sanft gewelltes Blatt aus Bernstein-EPS, durchsetzt von Diatomeen-Frusteln, deren Silikatventile das Licht in blauweißen Splittern brechen, während stabförmige Bakterien als dunkle Fäden durch das Gel ziehen wie Adern in poliertem Bernstein. Zu beiden Seiten des Tieres steigen Quarzkorner wie Mesawände in einen Kanyonhimmel auf, ihre Oberflächen rau und mit Biofilmflecken besetzt, während zwischen ihnen ein Porenraum in kühles Blaugrau und letztlich in Dunkelheit absinkt, wo interstitielles Wasser in den tiefer gelegenen Kehlräumen des Sedimentgefüges steht – eine Kathedrale aus Mineralglasand Gel, durch die sich das größte Lebewesen dieser Welt in gemessenem Schweigen bewegt.

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