Cydippid Larve Morgengrauen Planktonwelt
Ctenophores

Cydippid Larve Morgengrauen Planktonwelt

Vor uns schwebt eine kaum sichtbare Glaskugel — die zwei Millimeter kleine Cydippid-Larve eines Rippenquallen, so optisch dem Meerwasser angeglichen, dass sie eher als zarte Linsenverzerrung erscheint als als festes Wesen, während das blassgoldene Dämmerlicht durch die Oberflächenmikroschicht herabfiltert und sich in acht rudimentären Kammreihen zu flüchtigen prismatischen Blitzen bricht, die in Rosé und Violett aufleuchten und wieder verschwinden. Aus unserer auf Sandkorngröße geschrumpften Perspektive treibt eine Kette von Chaetoceros-Diatomeen vorbei wie ein langsamer Güterzug aus lebendem Glas — jede Siliziumzelle so groß wie eine Melone, bernstein- und ockerfarben leuchtend dort, wo Morgenlichtstrahlen auf chloroplastgefüllte Frusteln treffen, verbunden durch glasklare Dornen, die das Licht in prismatische Nadeln zersplittern. Ein Copepoden-Nauplius rotiert in der Ferne auf seiner Achse wie ein fremdes Raumschiff aus kupferrotem Chitin, während überall Meeresschnee driftet — transparente Schleimflocken, Detrituspartikel und Phytoplanktonzellen in Gold, Olivgrün und warmem Bernstein, von oben sanft beleuchtet in jenem diffusen aquatischen Licht, das keine harten Schatten kennt. Die Larve hängt genau an der Grenze zwischen der erleuchteten Oberflächenwelt und der sich verdunkelnden Tiefe, ihre beiden haarfeinen Tentakel bereits ausgestreckt in diese lebendige Suspension hinein, taktend nach einer Beute, die in diesem Stadium ihres Lebens kaum kleiner sein könnte als sie selbst.

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