Biologische Schlucht Lipiddoppelschicht
Atoms

Biologische Schlucht Lipiddoppelschicht

Der Blick fällt senkrecht durch eine Phospholipid-Doppelschicht wie durch einen aufgeschnittenen geologischen Canyon: Oben tobt eine dicht gedrängte, feuchte Welt aus roten Sauerstoffkernen und perlenartig leuchtenden Wasserstoffloben der Wassermoleküle, deren Elektronen-Dichte-Halos sich zu einem bernsteinfarbenen Schimmer überlagern, während orangefarbene Phosphorzentren mit dunkelroten Sauerstoffbrücken aus der Masse herausragen wie Korallen aus einem beleuchteten Riff. Dann bricht die Übergangslinie ab — schockierend abrupt, kaum breiter als ein einzelnes Molekül —, und die Welt verwandelt sich in einen stillen, fast völlig dunklen Raum aus parallel verlaufenden Kohlenwasserstoff-Ketten, deren kovalente C-C-Bindungen als glatte, grau-weiße Röhren sichtbar sind, mal in gestreckter All-trans-Konformation, mal durch Gauche-Knicke leicht verbogen, allesamt getaucht in eine kalte, silbrige Phosphoreszenz ohne jede Wassermolekül-Spur. Weit darunter flackert das symmetrische Spiegelbild der polaren Kopfgruppen erneut auf: dieselbe bernsteinfarbene Wärme, dieselbe ionische Dichte, dasselbe thermische Gedränge — als würde man durch ein stratigraphisches Profil des Lebens selbst blicken, drei atmosphärisch völlig verschiedene Zonen, getrennt durch Grenzen, die in der Wirklichkeit nur wenige Ångström breit sind.

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